Cesa Wendt - Rhythmus, Balance und Bewegung

 

Ein zentrale Thema meiner Zeichnungen ist „Rhythmus, Balance und Bewegung“.

 

Angeregt von Musik entstehen Linien als Spuren spontaner Bewegung. Mit dem Stift (oder dem Pinsel) gebe ich einem inneren Drang nach Bewegung Ausdruck. Rhythmische Linien und Schraffuren, die dabei entstehen, machen die Musikerfahrung sichtbar und bilden meist die Basis für eine weitere Auseinandersetzung mit dem entstehenden Bild.

 

Durch intuitives Hinzufügen von weiteren zeichnerischen Elementen versuche ich die Bewegungsenergie zu bündeln, zu ordnen oder zu stören, um damit Spannungsfelder zu erzeugen, die miteinander in einem, wenn auch prekären Gleichgewicht, kommunizieren. Balance verstehe ich als zentrierten Energiefluss, als Bewegung, die in sich ruht. Balance ist nicht als Stillstand, sondern ein Zustand von Ausgeglichenheit unterschiedlicher Spannungselemente, die permanent aufeinander reagieren. Letztendlich eine elementare Lebenserfahrung, die alle Bereiche durchdringt.

 

Mir geht es nicht um die Darstellung von etwas Bildhaftem. Die Linien sind Linien, die aus sich heraus einen Ausdruck haben und deren Anordnung ein Spannungsfeld erzeugt oder Leichtigkeit vermittelt. Punkte sind Punkte, die auf die Bildspannung reagieren und diese ausgleichen oder verstärken. Meine Bilder haben etwas Nicht-Greifbares. Sie sind Ausdruck meines spontanen Empfindens und vermitteln dem Betrachter, wie Musik, ein Gefühl, eine Erinnerung. Sie machen das Unsichtbare von Klang und Rhythmus visuell erfahrbar und können im Betrachter, gerade weil sie sich nicht dingfest machen lassen, eigene Assoziationen auslösen.

 

Formal reizt mich die Reduzierung und Konzentration auf Wesentliches, mich reizt eine Klarheit im Ausdruck. Für meine Zeichnungen verwende ich überwiegend Graphit- und Farbstifte sowie Zeichenkohle. Mit diesen Zeichenmaterialien entsteht das Grundgerüst, das dann z.T. mit Pastell, Gouache oder Aquarellfarben ausgestaltet wird. Zum Setzen von Akzenten füge ich kleine Collageelemente aus historischen Buntpapieren und Transparent- und Goldpapieren ein.

 

Cesa Wendt, 2010